Die MDK-Begutachtung (in Bayern: MD Bayern) entscheidet, welcher Pflegegrad eingestuft wird – und damit, wie viel finanzielle Unterstützung Ihre Familie von der Pflegekasse erhält. Gute Vorbereitung ist der Unterschied zwischen einem treffenden Pflegegrad und einer zu niedrigen Einstufung. Hier sind unsere 10 wichtigsten Tipps aus der Praxis.

Was ist der MDK/MD Bayern?

Der Medizinische Dienst (MD) ist eine unabhängige Gutachter-Organisation, die im Auftrag der Pflegekasse prüft, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen eingeschränkt ist. In Bayern heißt er MD Bayern (früher: MDK Bayern). Der Gutachter kommt zu Ihnen nach Hause und spricht 60–90 Minuten mit dem Antragsteller und den Angehörigen.

Die 10 wichtigsten Tipps

Tipp 1: Führen Sie ein Pflegetagebuch

Mindestens 1–2 Wochen vor dem MDK-Termin sollten Sie täglich dokumentieren:

  • Welche Tätigkeit? (Waschen, Anziehen, Essen reichen, Toilette, Medikamente)
  • Wie lange? (15 Min? 30 Min?)
  • Wie oft? (1x, 2x, 3x am Tag?)
  • Wer hilft? (Angehöriger, Pflegedienst, allein)

Das ist der wichtigste Beleg für den Gutachter. Ohne Dokumentation wird der Pflegeaufwand oft um 30–50 % unterschätzt.

Tipp 2: Sammeln Sie alle Unterlagen

Legen Sie vor dem Termin bereit:

  • Alle Arztberichte der letzten 12 Monate
  • Krankenhausentlassungsberichte
  • Medikamentenplan (aktuell)
  • Diagnoseliste – oft hilft ein Ausdruck vom Hausarzt
  • Hilfsmittel-Liste (Rollator, Pflegebett, Duschhocker, Inkontinenzmaterial)
  • Therapien & Reha-Berichte

Tipp 3: Seien Sie während des Termins dabei

Wenn möglich, sollten Angehörige dabei sein. Viele Senior:innen spielen vor fremden Personen "den starken Opa" oder die "tapfere Oma" und verschweigen Schwächen. Als Angehörige:r müssen Sie ergänzen und korrigieren.

Tipp 4: Beschönigen Sie nichts

Das ist der häufigste Fehler. Typische Sätze wie "ach, das klappt noch ganz gut" führen zu falscher Einstufung. Sagen Sie ehrlich:

  • "Das Anziehen dauert 30 Minuten und ohne Hilfe geht es nicht."
  • "Nachts stehe ich 3× auf, weil sie desorientiert ist."
  • "Er vergisst regelmäßig den Herd an."

Tipp 5: Machen Sie keinen "guten Tag"

Manche Antragsteller geben sich besonders Mühe, fit zu wirken, wenn der Gutachter kommt. Das ist kontraproduktiv. Der Gutachter muss den realen Alltag beurteilen, nicht den besten Tag.

Tipp 6: Kennen Sie die 6 Module

Die Begutachtung bewertet 6 Lebensbereiche – jeder mit eigener Gewichtung:

  1. Mobilität (10 %) – Gehen, Treppensteigen, Umsetzen
  2. Kognitive & kommunikative Fähigkeiten (15 %) – Orientierung, Erkennen, Gespräch
  3. Verhaltensweisen & psychische Probleme (15 %) – Aggression, Ängste, Wahn
  4. Selbstversorgung (40 %) – Waschen, Anziehen, Essen, Toilette
  5. Krankheitsbedingte Anforderungen (20 %) – Medikamente, Arztbesuche, Therapien
  6. Alltagsleben & soziale Kontakte (15 %) – Tagesstruktur, Beziehungen

Bereiten Sie sich auf jeden Bereich vor – nicht nur auf "Körperpflege".

Tipp 7: Besondere Problemlagen klar ansprechen

Viele Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen wirken körperlich "gut" – sind aber extrem pflegebedürftig. Wichtig anzusprechen:

  • Nachtunruhe (Umherwandern, Schreien, Desorientierung)
  • Weglauftendenz
  • Aggressionen (auch verbal)
  • Angstzustände
  • Mehrfaches Nachfragen (derselben Frage)
  • Inkontinenz – auch "nur" nachts

Tipp 8: Sammeln Sie eine Liste von "Was geht nicht mehr"

Machen Sie eine Liste aller Tätigkeiten, die nicht mehr allein bewältigt werden:

  • Mehr keine Bankgeschäfte
  • Kein Lesen von Behördenbriefen
  • Kein Einkaufen allein
  • Kein Herd bedienen
  • Keine Medikamente richten
  • Keine Fortbewegung ohne Gehhilfe

Tipp 9: Scheuen Sie sich nicht, um Wiederholung zu bitten

Wenn der Gutachter eine Frage stellt und Sie merken, dass der Senior/die Seniorin sie missversteht – bitten Sie um Wiederholung und beantworten Sie ergänzend. Der Gutachter darf und soll auch Angehörige befragen.

Tipp 10: Holen Sie sich Unterstützung

Sie sind nicht allein! Kostenlose Beratung & Begleitung zum MDK-Termin bieten:

  • Pflegestützpunkte München (15 über die Stadt verteilt)
  • Bavaria Vitalpflegedienst – wir kommen gerne zur Vorbesprechung
  • Sozialverband VdK Bayern – kostenloser Rechtsrat bei Widerspruch
  • AOK, TK & andere Kassen – eigene Pflegeberatung

Was tun nach dem Termin?

Der Gutachter gibt Ihnen keinen Pflegegrad direkt. Der schriftliche Bescheid kommt 2–4 Wochen später von der Pflegekasse. Wenn er zu niedrig ausfällt: Widerspruch innerhalb 1 Monats.

Hilfe in München?

Wir beraten Sie kostenlos vor dem MDK-Termin und helfen beim Pflegetagebuch. Jetzt kostenlose Beratung anfordern →

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Punkte brauche ich für Pflegegrad 2?

27 bis 46,9 Punkte. Dafür müssen Sie in mehreren der 6 Module relevante Einschränkungen zeigen.

Darf der MDK-Gutachter einfach in meine Wohnung kommen?

Der Termin wird mit Ihnen vereinbart. Sie können den Zeitpunkt mitbestimmen (Werktags, morgens/mittags). Sagen Sie ab, wenn es dringende Gründe gibt.

Was kostet die MDK-Begutachtung?

Nichts. Die Begutachtung ist für Sie kostenlos. Die Pflegekasse trägt alle Kosten.

Persönliche Beratung in München gewünscht?

Unser Team berät Sie kostenlos und unverbindlich – telefonisch oder bei Ihnen zu Hause.